Die Welt der mobilen Robotik boomt. Die vierte Auflage der FTS-Fibel wurde notwendig, weil sich der Anbietermarkt extrem verändert. Es gibt so viele neue Unternehmen in den FTS-Märkten wie nie zuvor. Es werden neue Techniken eingesetzt, neue Anwendungen gesucht und neue Projektstrukturen ausprobiert. Man setzt auf standardisierte Datenschnittstellen,
um einen beliebigen Flottenmanager mit heterogenen Fahrzeugflotten zu kombinieren, die von verschiedenen Herstellern kommen. Neu sind auch die Ansätze, über die bekannten Automatikfunktionen hinaus auch zusätzliche autonome Funktionen einzusetzen, um mehr Flexibilität und Bedienerfreundlichkeit zu erreichen.
Neben dem Fahrerlosen Transportfahrzeug (FTF, im englischen: Automated Guided Vehicle, AGV) werden neue Begriffe verwendet wie Mobiler Roboter (MR), Autonomer
Mobiler Roboter (AMR), Industrial Mobile Robot (IMR) oder schlicht „Robot“. Mit den sozialen Netzwerken wächst die Bedeutung des Marketings. Aus dem Marketing kommen dann auch – diesen Eindruck hat man – viele der neuen Begriffe und das Versprechen, dass es eine neue Welt der mobilen Robotik gibt, die vielfach innovativer und besser ist als die alte. Wir versuchen eine objektive Darstellung der alten und neuen FTS-Welt.
Wir beschäftigen uns in der neuen Auflage selbstverständlich mit Innovationen, allerdings verfallen wir dabei nicht in eine euphorische Stimmung, sondern hinterfragen die Sinnhaftigkeit und die Wirtschaftlichkeit der neuen Entwicklungen. So beschäftigen wir uns mit den Konsequenzen, die sich aus der Nutzung einer standardisierten Datenschnittstelle auf die FTS-Projekte ergeben. Wir klären über die Autonomie bei mobilen Robotern auf: Wir zeigen, was autonome Funktionen sein können, wie man sie bewertet, welche Vor- und Nachteile sie haben und wie die Konsequenzen solcher Funktionen für die Sicherheit einer Anlage aussehen können.
Zu den Innovationen zählen wir weiterhin neue technische Lösungen im Bereich der Sensorik, Aktorik oder der Lokalisierung. Wir haben uns mit der Be- und Entladung von LKWs beschäftigt und mit neuen Anwendungen in öffentlich zugänglichen Bereichen. Aber: Innovationen sind zwar wichtig, aber nicht Alles und vor allem kein Selbstzweck. Denn wir erleben auch, dass es in FTS-Projekten immer wieder grundsätzliche Herausforderungen gibt, die sich oftmals ähneln. Leidtragende sind dabei häufig die Anwender, für die die neue Welt nicht einfacher geworden ist: Der Anbietermarkt ist nicht mehr zu überblicken, der Planungsprozess und die Erstellung eines aussagekräftigen Lastenheftes sind anspruchsvoll und geeignete FTS-Anbieter sind nur schwer zu finden und zu motivieren anzubieten.
Und dann ist da noch die Sache mit der FTS-Kompetenz. Wer bringt sie mit ins Projekt? Der Software-Lieferant oder einer der Fahrzeuglieferanten? Wer übernimmt die fachgerechte Inbetriebnahme, versteht die Schnittstellen, steht für die Anlagen-Sicherheit ein und garantiert letztendlich die Leistung und Verfügbarkeit der eingekauften Anlage, auch wenn der Mischbetrieb mit manuell betriebenen Staplern oder Routenzügen unerwartet (?) Störungen verursacht?
Wir – also das Autoren-Duo – wagen den Spagat zwischen der Innovation und erfolgreichen Projekten. Wir zeigen die Möglichkeiten neuer Techniken und Wege auf, hinterfragen sie aber auch hinsichtlich der Use Cases. Für den Einsatz des FTS in der Intralogistik ist es von fundamentaler Bedeutung zu verstehen, dass das FTS ein Organisationsmittel ist. Diese Fibel stellt dar, wie vielfältig die Anwendungen sind und welche technologischen Standards zur Verfügung stehen. Darüber hinaus dokumentieren wir die neuen Entwicklungen, die innovative Einsatzszenarien ermöglichen und zusätzliche attraktive Märkte erschließen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die ganzheitliche Planung solcher Systeme, die ausführlich mit allen Planungsschritten beschrieben wird. Hier findet der Leser nicht nur einen Fahrplan durch den Planungsprozess, sondern auch zahlreiche wertvolle Hinweise.
Seit über 35 Jahren begleitet der VDI-Fachausschuss „Fahrerlose Transportsysteme“ die Branche. Er vereint heute ca. 40 Mitgliedsfirmen – aus diesem starken Netzwerk heraus entstand die europäische FTS-Community Forum-FTS, die engagierte Öffentlichkeitsarbeit und seit einigen Jahren mit einem kompetenten Team auch FTS-Planung und -Beratung betreibt. Allen Mitgliedern des Forum-FTS sei an dieser Stelle Dank gesagt, denn sie haben mit ihren Beiträgen diese Fibel erst möglich gemacht. Außerdem gilt unser Dank dem Lektorat Maschinenbau des Springer Vieweg-Verlags für die nette und verständnisvolle Betreuung.
Die FTS-Fibel richtet sich an Fachleute und Praktiker der Intralogistik, die sich mit der Optimierung von Materialflüssen beschäftigen. Sie sind in nahezu allen Branchen der Industrie, in einigen Dienstleistungsunternehmen oder in Forschung und Lehre an Universitäten und Fachhochschulen tätig. Aus unserer Arbeit als Planer und Berater wissen wir, dass es in der Praxis und in der Lehre Bedarf für eine ganzheitlichen Darstellung unseres Themas gibt. Wir haben uns um eine objektive Sichtweise, eine moderate fachliche Tiefe sowie eine klare und verständliche Sprache bemüht.
Die vorliegende vierte Auflage wurde komplett überarbeitet, umstrukturiert, um wichtige Themen erweitert und trägt den rasanten Entwicklungen in der Technik und den Märkten Rechnung. Möge die überarbeitete Fibel ihren Beitrag dazu leisten, dass Fahrerlose Transportsysteme entsprechend ihren Möglichkeiten eingesetzt und erfolgreich projektiert und realisiert werden. Der Leistungsfähigkeit und den Einsatzmöglichkeiten der mobilen Robotik sind keine Grenzen gesetzt.